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Gründe fürs Gründen
Allgemein

6 Gründe fürs Gründen – und 6 dagegen

Ausbildung fertig, aber kein freier Posten im Betrieb? Keine Lust auf das dritte schlecht bezahlte Internship nach dem Studium? Der reguläre Bürojob hat schon mal mehr Spaß gemacht? Deine Aufstiegsmöglichkeiten im Familienbetrieb sind arg begrenzt? Der Chef macht zum Jahresende den Laden dicht? – Was liegt in solchen Fällen näher, als mit der eigenen Idee, dem eigenen Unternehmen durchzustarten? Richtig, nicht viel! Allerdings solltest du vorher das Für und Wider des Gründerlebens abwägen.

Ein eigenes Business an den Start bringen, egal wie klein oder groß – das bietet Chancen, Perspektiven und eventuell die Möglichkeit zu einem großen ökonomischen und sozialen Aufbruch. Doch ganz so hoffnungsvoll blauäugig sollte man sich nicht in die Selbstständigkeit stürzen. Vorher gilt es, die berühmte Kehrseite der Medaille zu durchdenken:

– Du gibst die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit auf

Work-Life-Balance-Verfechter mögen hier mit Ratgebern und Seminaren noch so stark gegensteuern: Echte Gründer sind notfalls 24/7 im Einsatz. Natürlich geht man ans Telefon, wenn sonntags ein sehr wichtiger Kunde anruft. Die Branchenkonferenz in Berlin fällt auf den Geburtstag der besten Freundin? Pech gehabt. Es ist bereits weit nach 18:00 Uhr, aber die Website ist immer noch down? Das muss wohl heute noch geregelt werden. Und wo bleibt eigentlich der Catering-Service? Morgen früh stehen doch 20 wichtige Interessenten auf der Matte.

– Du trägst ein hohes Maß an Verantwortung

Auch wenn du externe Mitarbeiter und interne Projektassistenten hast: Ultimativ bist du (und evtl. dein direkter Geschäftspartner) für sämtliche Business-To-dos zuständig: Drei Aufträge sind futsch? Der Cash-Flow droht zusammenzubrechen? Der Branchenverband hat neue Auflagen erlassen, die bis zum Monatsende umgesetzt werden sollen? Das sind deine Baustellen. Ran die Arbeit!

– Du führst einen dauerhaften Papierkrieg

Angebote, Rechnungen und Zahlungserinnerungen schreiben, Steuererklärungen einreichen, Genehmigungen einholen – als Gründer musst du dich mit einer Menge Papierkram rumschlagen. Das mit dem Papier ist wörtlich zu nehmen. Die wenigsten Behörden und Geschäftspartner bieten elegante Digitallösungen für das “red tape” an. Ohne fleißige Bürokraft (anfangs nicht immer finanzierbar) bzw. ohne eiserne Disziplin (wird oft für andere Aufgaben benötigt) kann man schnell den Überblick verlieren.

– Du musst finanzielle Durststrecken überwinden

Ein Ladenlokal, eine Werkstatt oder ein Platz im Co-Working-Space, Club-Sofas und Schreibtischstühle, Computer, Kaffeemaschinen, Arbeits- und Werbematerial – das gibt es alles nicht umsonst. Und auch für Rechtsberatung und modernes Marketing solltest du in der Gründungsphase vernünftige Budgets einplanen. Diesen Ausgaben werden in den ersten Monaten oft Einnahmen von – schlimmstenfalls – 0 Euro gegenüberstehen. Gewöhn dich an den Gedanken, dass dein Business zunächst keine schwarzen Zahlen schreibt. Dass du nichts oder wenig verdienst und deine privaten Rücklagen dementsprechend angegriffen werden. Dass du im Dispo dümpelst. Dass du dir eine schicke Wohnung, teure Restaurants und Fernreisen wohl vorerst nicht leisten kannst.

– Du stehst unter sozialem Druck

„Wie läuft’s denn mit deiner Firma?“ „Habt ihr jetzt ein paar Kunden?“ „Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag?“ Stell dich darauf ein, dass Eltern, Geschwister, Freunde, Nachbarn und ehemalige Kollegen solche Fragen immer wieder stellen. Und das du vielleicht nicht immer schlaue bzw. positive Antworten parat hast. Womit sich ein Beamter oder klassischer Angestellter genau beschäftigt, das interessiert kaum jemanden. Gründer scheinen dagegen unter gesellschaftlicher Beobachtung zu stehen.

– Du hast keine Erfolgsgarantie

Egal wie sinnvoll und innovativ deine Geschäftsidee ist, egal wie schlau und engagiert du dich an die Umsetzung machst: Mit etwas Pech geht dein Business nach einer Weile einfach in die Binsen. Als Angestellter wird gute Arbeit meist mit einem regelmäßigen Gehaltsscheck, notfalls mit ALG1 oder einem Sozialplan belohnt – als Gründer gibt es manchmal nur anerkennendes Nicken: „At least you tried“ oder „Fail better next time“ – und auch das nur, wenn dein Gegenüber die Kultur des Scheiterns respektiert.

Doch wer sich trotz dieser Herausforderungen in die eigene Gründung stürzt, dem winken gute Perspektiven mit handfesten Vorteilen:

+ Du bist unabhängig von (anstrengenden) Vorgesetzten und Kollegen

Als Gründer hältst du firmen- und personalpolitisch die Zügel in der Hand. Der Auftrag sagt dir überhaupt nicht zu? Such dir den nächsten! Der Partner oder Dienstleister ist dir unsympathisch? Rekrutier andere Mitstreiter oder regel die Sache in Eigenregie! Niemand gibt dir Anweisungen. Du entscheidest.

+ Du tust das, was dir Spaß macht

Auch wenn das Alltagsgeschäft nicht immer rosig ist: Im Kern tust du das, was du gut kannst, und wofür du brennst: Apps entwickeln, vegane Törtchen backen, antike Möbel restaurieren, bei Musikfestivals für ordentliche Beschallung und Beleuchtung sorgen. Wenn du eine deiner Passionen zum Kern deines Business machst, lässt sich daraus über lange Zeit viel Motivation ziehen.

+ Du bist zeitlich flexibel

Die meisten Angestelltenjobs sehen hierzulande noch immer so aus: 35-40 Stunden pro Woche arbeiten, in der Regel montags bis freitags irgendwann zwischen 8:00 Uhr und 18:00 Uhr. Als Selbständiger unterliegst du diesen „Stundenplänen“ nicht: Wenn du Lust hast, und das Projekt es zulässt, kannst du zwischendurch auch nachts oder am Wochenende arbeiten – und dafür montags und dienstags nicht vor Mittag den Frühstückstisch (oder das Bett) verlassen.

+ Du genießt finanzielle Vorteile

Dieses Argument hat mehrere Aspekte. Erstens wirtschaftest du als Gründer für dich selbst, nicht für deinen Chef. Wenn ein Kunde für eine Diensleistung z. B. 50 Euro pro Stunde zahlt, dann behalt davon (vor Abzügen) 50 Euro – während dein alter Arbeitgeber (aus welchem Grund auch immer) vielleicht nur 25 Euro davon an dich weitergeleitet hat. Zweitens kannst du als Gründer Steuern sparen, zum Beispiel, in dem du Kosten für Büroausstattung, ein geleastes Auto, Fachliteratur oder Bewirtung absetzt. Drittens gibt es diverse private und staatliche Förderprogramme, die dich als frischgebackener Gründer mit Finanzspritzen versorgen.

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+ Du erweiterst deinen Horizont

Als Gründer musst du dich mit allen möglichen Themen beschäftigen, von Produktentwicklung über Marketing und Akquise bis hin zu Buchhaltung und Materialbeschaffung. Dabei kannst du eine Menge lernen, vorhandene Skills ausbauen und neue erwerben. Gleichzeitig wächst dein professionelles und persönliches Netzwerk in vielen unterschiedlichen Bereichen – ein nicht zu unterschätzendes Privileg.

+ Du kannst zum Vorbild werden

Dein alter Chef hat Frauen schlechter bezahlt? Ein Umweltgewissen hatte die Firma auch nicht? Und die Weihnachtsfeier war stets langweilig bis peinlich? Gute Nachricht: Du kannst das alles besser machen. Zeig der Welt, was für ein fortschrittlicher, sympathischer Unternehmer du bist.

Fazit: Gründe. Aber gründe nicht leichtfertig!


Beitragsbild: Deagreez