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Geld per E-Mail - so überzeugen Gründer Investoren
Thomas Kemp comment Ein Kommentar visibility 7,0K Views access_time 4 Min. Lesezeit

Klar, Empfehlungen und persönliche Kontakte sind Gold Wert. Doch auch via E-Mail kann Kapitalsuche funktionieren – solange Gründer einige wichtige Regeln beachten.

Investoren erhalten tausende E-Mails im Jahr und es wird jedem Jungunternehmer einleuchten, dass VCs, Business Angel & Co. schlichtweg nicht die Zeit haben, jede Nachricht durchzulesen und zu beantworten. Doch wie schafft es ein Startup-Gründer, die Aufmerksamkeit eines Investors auf sich lenken?

Weniger ist mehr

In jedem Fall gilt bei der Kontaktaufnahme per E-Mail: „less is more“. Kein Investor hat Interesse daran, ellenlange Texte durchzulesen. Vor allem nicht von Menschen, die gänzlich unbekannt sind. In nur wenigen Sätzen – man sagt zwischen 3 und 6 – sollte der Gründer sein Anliegen klar auf den Punkt bringen können.

Der Early Stage Investor Michael Seibel, von der berühmten Startup-Schmiede Y Combinator, erklärt im hauseigenen Blog, wie die ideale E-Mail aussieht:

  • Bereits der erste Satz sollte Interesse wecken. Also bitte keine unnötig lange Einleitung verfassen, wer man ist, woher man kommt und was man im Leben bereits Tolles geleistet hat.
  • Es sollte ausschließlich um das eigene Produkt oder die Dienstleistung gehen. Wie sieht das Marktpotenzial dafür aus und was für Wachstumsmöglichkeiten gibt es?
  • Außerdem muss das eigentliche Anliegen deutlich werden, damit der Investor weiß, warum er überhaupt angeschrieben wurde. Wird vielleicht lediglich ein Ratschlag gesucht? Oder geht es um eine konkrete Finanzierungsanfrage, und wenn ja, in welcher Höhe?

Zahlen, Fakten und Stichpunkte

Es ist verständlich, wenn junge und ambitionierte Entrepreneure, das eigene Unternehmen ins beste Licht rücken möchten und bereits erzielte Gründererfolge gern blumig ausschmücken. Bei der ersten Investorenansprache kommt es aber einzig und allein auf Zahlen und Fakten an – und zwar so wie sie sind. 200 % Wachstum klingt gut, aber von wie vielen realen Nutzern? 10? 200? 3.000? Es bringt leider nichts, in einer E-Mail etwas beschönigen zu wollen. Investoren merken es.

Andrew Ackerman, Geschäftsführer beim erfolgreichen amerikanischen Dreamit Accelerator, formuliert es so: „Don’t bullshit“, also freundlich übersetzt: „Nehmt uns nicht auf den Arm“.

Auch bittet er darum, von allzu ausführlichen Anhängen abzusehen. Anstatt ein ganzes Pitch Deck von 10 bis 20 Seiten mitzuschicken, genügt bei einem Erstkontakt eine einseitige Zusammenfassung der allerwichtigsten Eckdaten vollkommen aus.

Übrigens: Wer unbedingt noch ein paar zusätzliche Informationen in der E-Mail unterbringen möchte, kann dies in präzise ausgedrückten und übersichtlichen Stichpunkten tun. Aber bitte darauf achten, dass der Inhalt kurz und knapp gehalten wird – wie oben beschrieben.

Wer ist der richtige Investor?

Es bedarf ein bisschen Recherche und Vorarbeit, um herauszufinden, welche Investoren ein Gründer anschreiben kann. Es bringt nämlich nichts, sich Listen aus dem Internet zu ziehen und einfach alle blind anzuschreiben. Massen-Mailings kommen überhaupt nicht gut an, eine E-Mail sollte persönlich adressiert werden. Und: Der Investor muss zum eigenen Startup und der entsprechenden Branche passen. Das erhöht die Chance auf eine Antwort.

So wie im Fall von Aaron Levie, CEO des Cloud-Anbieters Box, ein Unternehmen mit mittlerweile 1.400 Angestellten im Silicon Valley. Levie schrieb den bekannten Investor Mark Cuban an und hat dabei alles richtig gemacht. Cuban, selber Inhaber eines beliebten Tech-Blogs, interessierte sich für das Thema und das Startup und stellte einen Scheck aus – ohne dass sie sich vorher persönlich getroffen hatten.

Zusammenfassung und weitere Tipps

  • Weniger ist mehr! Die E-Mail sollte aus wenigen Sätzen bestehen und sachlich auf den Punkt kommen.
  • Das Anliegen der Nachricht muss deutlich werden, spätestens zum Schluss der E-Mail, gern auch schon im Betreff formuliert, z. B.: „Startup XY sucht Early Stage Funding“.
  • Wahrheitsgemäße Daten und Fakten zum Produkt und zur Marktsituation überzeugen mehr als persönliche Lebensläufe oder epische Gründerpreisaufzählungen. Der Investor möchte sehen, dass sein Geld gewinnbringend angelegt werden kann.
  • Wenn Anhang, dann eine sogenannte „Executive Summary“. Das ausführlichere Pitch Deck kommt erst zum Einsatz, wenn der Erstkontakt erfolgreich war.
  • Und: Bitte nicht allzu forsch nach einem Telefonat oder Treffen fragen, der Investor wird dies bei Interesse von sich aus vorschlagen.

Grundlegende Tipps, wie eine berufliche E-Mail am besten verfasst wird, gibt es in diesem GO AHEAD Beitrag. Weitere Dos und Don’ts bei der Investorensuche sind hier nachzulesen.

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Beitragsbild: juststock

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