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“Mit der Zeit nervten mich die vielen Meetings, da ich sie oft als unproduktiv und wenig kreativ empfand”
Thomas Kemp comment 0 Kommentare visibility 1,3K Views access_time 6 Min. Lesezeit

Julian Jost ist Gründer von Spacebase, einer Buchungsplattform für Meeting-, Workshop- und Eventräume. Das 2015 gegründete Startup zählt über 20 der Top 30 DAX-Unternehmen zu seinen Kunden. Im Interview mit GO AHEAD spricht Jost über großes Denken und Marktnischen, das Content Marketing mit der Web-Serie experiMENTAL und den Gründerstandort Deutschland.

GO AHEAD: Hallo Herr Jost, würden Sie uns Ihr Startup Spacebase kurz vorstellen?

Julian Jost: Spacebase ist eine Buchungsplattform für Meeting-, Workshop- und Eventräume. Neben den Locations können auch gleich Meeting-Equipment, Technik und Catering für die Veranstaltung hinzugebucht werden. Alle Räume sind versichert und wurden hinsichtlich ihrer Qualität überprüft. Unseren Service gibt es mittlerweile in Deutschland, in Frankreich, England und Spanien und seit Ende 2016 gibt es uns auch in den USA.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spacebase zu gründen?

Jost: Gegründet wird ja idealerweise, wenn man eine Marktlücke bzw. eine noch nicht befriedigte Nachfrage sieht oder wenn man eine tiefe Expertise in einem speziellen Thema hat; bei mir trafen beide Punkte zu.

Zusammen mit meinem Gründungspartner Jan Hoffmann-Keining habe ich einige Jahre als Unternehmensberater gearbeitet, einem Arbeitsumfeld, in dem ständig Meetings und Team-Konferenzen abgehalten werden. Mit der Zeit nervten mich die vielen Meetings, da ich sie oft als unproduktiv und wenig kreativ empfand.

Meetings sind natürlich super wichtig, aber mir fiel auf, welche massive Wirkung die Räumlichkeiten auf Businesstreffen haben. In den immer gleich wirkenden Hotelmeetingräumen entstehen einfach keine inspirierenden Meetings.

Jan und ich sind in der Zeit auch dazu übergegangen, statt der immer gleich wirkenden Hotelzimmer, Airbnb als Reiseunterkunft zu nutzen. Der Gedanke lag also praktisch auf der Hand auch für unsere Meetings aus den Hotels rauszugehen und stattdessen stimmungsstarke Räume anzumieten. Doch die Suche und das Anmieten gestalteten sich schwierig, denn es gab einfach keine Plattform mit einem konsolidierten Angebot. Diese Erkenntnis ist im Prinzip die Gründungsidee von Spacebase, denn der Ansatz von Spacebase ist es, möglichst einmalige und auch ungewöhnliche Meeting-, bzw. Workshopräume zur Verfügung zu stellen, jenseits der Standardangebote von Hotels und Business Centern.

Auf Ihrer Homepage stehen große Firmennamen wie beispielsweise Google, eBay und Zalando als Referenzkunden. Wie haben Sie es geschafft, diese Großkunden zu überzeugen?

Jost: Die Frage ist gut. In Deutschland gehören mittlerweile über 20 der Top 30 DAX-Unternehmen zu unseren Kunden. Da sind wir Stolz drauf.

Doch wie konnten wir diese Kunden gewinnen? Ausschlaggebend war sicher ein Mix aus unterschiedlichen Faktoren:

Als ehemaliger Unternehmensberater verstehe ich wie Unternehmen funktionieren und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es großen Bedarf an inspirierenden Räumlichkeiten gibt.  Am Anfang kamen viele Kunden über persönliche Empfehlungen zu uns, aber nur wer Kunden halten kann, hat diese auch wirklich gewonnen. Das bedeutet, dass in letzter Instanz immer nur die Qualität des Angebotes den langfristigen Erfolg garantiert. Eine solide Marketingstrategie und ein gutes Kundenmanagement sorgen für weiteres Wachstum. Und je mehr gute Kunden man überzeugen konnte, umso mehr Weiterempfehlungen und neue Kunden kommen hinzu.

Viele Gründer planen nicht gleich ein weltweit operierendes Unternehmen aufzubauen, sondern denken eher regional und in kleineren Marktsegmenten. Ist groß zu denken der ultimative Strategieansatz oder sehen Sie auch für kleinere Geschäftsmodelle ein Marktchance?

Jost: Das ist schwer zu beantworten und ist wirklich sehr abhängig von der ganz konkreten Marktsituation. Das schöne an der Digital-Ökonomie ist ja grundsätzlich, dass jeder mit einem Nischen-Konzept große Erfolge haben kann: Die Digital-Wirtschaft begünstigt sehr die Anbieter im sogenannten Longtail-Bereich, also in den Markt-Nischen.

Auf der anderen Seite sind im Netz aber auch die üblichen Marktgesetze der Konzentration hoch wirksam und zukünftig vielleicht sogar immer stärker entscheidend. Ein Mega-Trend im Netz ist eben, was oftmals als Plattform-Ökonomie beschrieben wird. Online-Plattformen beherrschen mittlerweile schon die Spielregeln in den meisten Konsumenten-, und B2B-Märkten und die Effekte dieser Entwicklung werden zukünftig sicherlich immer stärker spürbar.

Kleinere Anbieter müssen sich diesen Spielregeln der Plattformen wahrscheinlich langfristig zunehmend anpassen, so wie es Händler bei Amazon & Co. eben heute schon tun müssen. Das wirklich schöne am Netz ist aber, dass alles hoch dynamisch und die Zukunft eben noch ungeschrieben ist. Um die Frage vielleicht mit einem abschließenden Satz zu beantworten: groß denken macht durchaus Sinn und lässt sich für kleinere und nischigeren Produkten bzw. Services z. B. durch gute Netzwerk-Partnerschaften umsetzen.

Spacebase ist mitunter auch durch die Web-Serie mit dem Namen experiMENTAL im Netz aufgefallen. Was genau verbirgt sich dahinter?

Jost: Mit den experiMENTAL-Studien unternehmen wir den Versuch, auf unterhaltsame Weise der Frage nachzugehen, welche Faktoren die Kreativität bzw. Produktivität bei Meetings begünstigen oder erschweren. Inhaltlich werden dabei in Form von A/B-Test mindestens zwei Faktoren gegenübergestellt ( z. B. „Zumba tanzen“ und „Netflix gucken“) und anschließend bewertet, welcher der Faktoren sich günstiger auf den produktiven Output der Gruppenarbeit auswirkt.

Drei Episoden gibt es mittlerweile und eine vierte wird derzeit mit einem Partnerunternehmen produziert. Mit wem verrate ich aber noch nicht, das wird eine große Überraschung.

Ziel der experiMENTAL-Studie ist es natürlich auch Spacebase einem größeren Publikum nahezubringen und gleichzeitig unsere Expertise als Meeting-Experten darzustellen. Obwohl die Webserie als Content-Strategie minutiös geplant war, hat der einschlägige Erfolg uns offen gesagt dennoch ein wenig überrascht: Sogar die Fachzeitschrift Psychology Today hat darüber berichtet.

Welche Vorteile bietet der Standort Deutschland und speziell der Standort Berlin aus Ihrer Sicht?

Jost: Der Standort Deutschland ist für Gründer perfekt und bietet exzellente Chancen. Oft wird von der amerikanischen Gründerkultur geschwärmt und in Sachen Digitalisierung muss Deutschland sicherlich noch einige Schritte gehen, aber für Gründer ist Deutschland aus meiner Sicht ideal. Ein wichtiger Schritt zur Erleichterung von Unternehmensgründungen war sicherlich die 2008 eingeführte Unternehmergesellschaft. Wir sind zwar selber gleich als GmbH gestartet, aber die UG-Rechtsform hat sich für den ersten Gründungsschritt etabliert und bewährt.

Es gibt in Deutschland auch zahlreiche Unterstützung von institutioneller Seite und eine wachsende Unternehmerkultur. Speziell der Standort Berlin bietet alle Vorteile, die man sich als Startup wünschen könnte: Es gibt hier ein großes Netzwerk an Gründern, die Mitarbeitersuche ist relativ einfach und es gibt zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten durch Privatinvestoren und Beteiligungsgesellschaften. Ich kann Berlin sehr empfehlen, aber Hamburg und andere deutsche Standorte ziehen auch kräftig nach.

Welche Tipps können Sie jungen Gründern mit auf den Weg geben?

Jost: Grundsätzlich ist es glaube ich gut im Team zu gründen, so hat man immer einen Sparring-Partner zur Seite. Ansonsten kann ich nur empfehlen, einfach anzufangen und den Markt zu testen und das Produkt oder den Service immer weiter an die Ergebnisse der Analysen anzupassen.

Vielen Dank für das Interview.

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